Traumwelten 4

Veröffentlicht in Uncategorized am Mai 8, 2013 von dragontear1976

Sommer. Es ist sehr warm. Die Sonne scheint mir auf den Rücken, ich fühle eine leichte Brise, die über meine Haut streicht.
Um mich herum viel Kinderlachen, Schreien, Toben. Sich unterhaltende Erwachsene, über den Boden schrappelnde Stühle, klingelnde Kasse, Besteckklappern, Wasserrauschen.
Meine Tochter und ich sind im Freibad.
Bekleidet mit Badeanzug stehe ich am Geländer des sich im ersten Stock befindlichen Restaurants und schaue den Badegästen zu, die sich unter mir im Wellenbecken tummeln.

Plötzlich sitzt meine Tochter neben mir. Sie ist wieder ungefähr drei Jahre alt. Sie sitzt auf dem Geländer, die Füße baumeln nach unten, sie lehnt sich an mich.

Das Wellenbecken ist nun fast leer, es sind nur wenige Badegäste da, es ist ruhiger geworden. Meine Tochter umarmt mich, strahlt mich an und bittet: “Mami, wirf mich nochmal!”. Sie möchte allen Ernstes, dass ich sie von der Brüstung ins Wasser werfe.

Ich packe das freudig quietschende Kind unter den Achseln, hole aus und schleudere sie über das Geländer Richtung Wasser.

Ich höre sie lachen und sehe dann, wie sich die Flugbahn verändert. Sie wird nicht ins Wasser fallen.

Mit weit aufgerissenen Augen, den Händen an die Wangen gepresst, sehe ich zu, wie sie knapp neben dem Becken mit dem Gesicht zuerst aufschlägt.

Flüchtend und schwer atmend, gehe ich einige Schritte zurück und stehe nun in einem dunklen großen Raum. Dunkler Teppich, keine Fenster. Viele eckige Säulen und ein Treppenaufgang. Ich höre nur mich atmen, die Hände immer noch an den Wangen, immer noch im Badeanzug.

Ich höre jemanden die Stufen hochkommen. Es ist mein Schwiegervater. Er schaut mich an, nickt, hebt den Daumen und geht in seiner langsamen Art mit leicht gebeugtem Rücken in die Dunkelheit. Stille.

Nun spricht jemand mit mir. Die Stimme kommt aus Richtung meines Rückens. “Alles wird wieder gut. Du hast nichts falsch gemacht.”
Ich drehe mich um. An die Wand gelehnt sitzt dort mein Mann auf dem Boden. Ein Bein angewinkelt, eins ausgestreckt, den Kopf in die eine Hand gestützt, die andere liegt reglos seitlich neben ihm.

Er sieht völlig verweint aus. So wie damals als ich sagte “ich komme nicht zurück”. Als er es noch Ernst nahm.

Er streckt die vorher neben ihm liegende Hand nach mir aus, bedeutet mir, sie zu nehmen. Ich gehe zu ihm, nehme seine Hand und knie mich neben ihm. Wir warten.

Ich stehe in einem lindgrünen Krankenzimmer. Blinkende Apparate, weißes Bett, viele Schläuche und Kabel. Und dazwischen meine Tochter. Angeschlossen an diese Apparate. Wieder acht Jahre alt. Sie schläft. Ich nehme ihre kleine kalte Hand und warte.

Traumwelten 3

Veröffentlicht in Uncategorized am April 25, 2013 von dragontear1976

Was ein wunderschöner Tag. Die Sonne scheint, strahlend blauer Himmel. Es ist nicht zu heiß. Ein Spaziergang über die Felder. Leuchtendgelbe Rapsfelder. Ich habe den Geruch in der Nase. Ab und zu fliegt ein kleiner Vogel zwitschernd vorbei. Ansonsten ist es ruhig.

Ich gehe über einen staubigen Feldweg. Große Kiesel, kleine Kiesel, trockene Löcher, die einst Wasserpfützen waren.

Ich bin nicht allein.

Ich werde links und rechts von einer Person flankiert. Nicht zu dicht, eher ganz normal. Es sind Männer. Einer groß und sehr schlank, einer relativ klein und runder. Dunkle Anzughose und weißes Hemd. Beide. Beide tragen eine Brille. Es sind zwei meiner direkten Chefs.

Wir gehen schweigend den Feldweg entlang.

Ich stolpere. Versuche mich im Fallen abzufangen, rolle mich ein und kugele wie ein Kreisel elliptisch  umher. Fast wie ein Football, der auf dem Boden aufkommt.

Meine Begleiter wollen mich auffangen. Aber aufgrund der Footballspringtechnik greifen sie immer daneben. Irgendwann fassen sie mir unter die Arme und ziehen mich hoch.

In dem Moment sitze ich in meinem Auto. Allein. Es ist Abend. Die Sonne geht langsam unter. Ich fahre gemächlich auf einen kleinen umzäunten Parkplatz in einem Waldstück. Ich stelle den Wagen ab und gehe durch ein kleines Gatter. Hinter diesem Gatter beginnt ein Waldpfad. Eingetreten zwischen Farnen und hohen Gräsern, der erdige Boden ist feucht und weich. Auch hier ist es sehr leise.

Ich gehe an einem Zaun entlang unter Bäumen hindurch und stehe plötzlich vor einem Storch. Dieser Storch ist allerdings sehr klein. Hat eher Wattenläufergröße. Er steht sehr komisch da. Humpelt, ist zerzaust, der Schnabel steht weit offen. Er flattert kurz wild mit den Flügeln, krächzt und kippt um. Erstaunt schaue ich den nun toten Storch an. Er bewegt sich nicht mehr. Nur die Federn, die wild abstehen, bewegen sich in der aufkommenden leichten Brise.

Ich schaue auf. Mein Blick wandert über diesen eingezäunten Bereich. Ich entdecke mehr Vögel. Störche, Reiher, Adler. Alle zerzaust, alle wanken umher. Viele liegen schon tot im Gras. Plötzlich sehe ich Menschen. Ich glaube zumindest, dass es Menschen sind, die in orangenen Anti-Konterminations-Anzügen mit Helm und Atemgeräten umher laufen. Sie winken hektisch, einige kommen mit halb erhobenen Händen, wie zur Beschwichtigung, auf mich zu.

Ich renne weg.

Atemlos stehe ich vor meiner Haustür.

Völlig aus der Puste versuche ich hektisch die Tür zu öffnen. Ich blicke mich ständig um, lasse den Schlüssel fallen, rege mich über mich selbst auf. Endlich ist der verdammte Schlüssel im Schloss. Zweimal herum drehen und die Tür ist endlich offen. Erleichtert lasse ich mich von innen gegen die Tür fallen.

Ich sehe den Ranzen meiner Tochter im Flur. Freue mich auf sie. Gehe durch die Wohnung ins Wohnzimmer, um nach ihr zu sehen.

Sie steht im Wohnzimmer mit dem Rücken zu mir. Ich spreche sie an. In Zeitlupe dreht sie sich zu mir.

Hängende Schultern, nach vorne zeigende Handflächen, die Haare kleben am verschwitzen Gesicht. Ihre schönen Augen hat sie schmerzlich verdreht, ich sehe nur noch weiß mit roten Äderchen.

Aus ihrem Mund quellen Federn.

Ich wache auf.

 

Eine Geschichte aus der Reihe “Warum ich morgens nicht ausgeschlafen, sondern wie erschlagen aufstehe.”

Ich oder er

Veröffentlicht in Uncategorized am April 21, 2013 von dragontear1976

Er hatte um mich gekämpft, ich gab ihm deswegen eine zweite Chance.

Doch es änderte sich nichts. Es intensivierte sich nicht. Es schlief eher wieder alles ein. Das Bemühen, das Sehen, das was miteinander unternehmen, der Sex wenn man sich dann doch mal traf.

Ständig “ich kann nicht, ich bin müde”, “ich kann nicht, ich bin nicht in deiner Nähe”, “ich dachte, du hast Stress, ich wollte nicht stören”. Keine lieben Worte mehr. Keine heißen Gespräche.

Abends nur kurzes texten. Dann früh keine Antwort mehr. Ich wusste, dass er eingeschlafen ist. Aber meine misstrauischen Stimmen flüsterten mir immer etwas anderes in meinen Kopf.

“Er könnte sich mit jemand anderem treffen.” “Er hat sich immer noch nicht von den einschlägigen Internetseiten abgemeldet, wonach sucht er.” “Er fragt nie, ob er spontan vorbei kommen kann.” “Er hat immer Ausreden.” “Wenn wir uns sehen, landen wir gleich in der Kiste.”

Er hat es nicht geschafft dieses erfahrungsbedingte Misstrauen zu relativieren. Als er wusste, dass er mich wieder hat, brauchte er sich nicht mehr anstrengen.

Ich habe ihm das gesagt. Ich kann sehr unangenehm sein. Die oft gewählte Aussage: “Ich arbeite körperlich, da bin ich abends immer so müde.”… Körperlich arbeiten ist sein Job. Soll ich jetzt die nächsten Jahre zwar einen Freund haben, aber sowas wie eine Fern-Wachzeit-Beziehung führen?

Ich bin gerade das Wochenende wieder Strohmami. Ich sagte ihm, dass ich viel zu tun hab. Dazu kam noch, dass eine Freundin spontan Hilfe brauchte. Ich schrieb ihm alles, alles was ich vorhatte, was dazwischen kam. Er fragte nicht nach. Er fragte nicht, wann wir uns dann sehen, oder ob er einfach nur herkommen soll.

Samstag Abend saß ich da. 18 Uhr. Keine Nachfrage. Ich hatte den ganzen Tag Erledigungen gemacht. Er wusste es. Statt, dass da mal  kommt “soll ich mit?”. Nur so ein bißchen Gesellschaft. Er hätte dabei sein können. Ja, auch beim Kuchenbacken. Aber es kam nichts.

Bis ich wieder schrieb. Ihn fragte, was das da ist, was wir haben. Wie er es benennen würde. Die Antwort: “Keine Ahnung, was meinst du?”. Das war die falsche Antwort. Absolut.

Und mein Entschluss stand fest. Ich würde ihm sagen, was ich denke. Ihm sagen, dass das in meinen Augen keine Beziehung ist. Ich bin ein komplizierter Mensch. Und manche meiner Ansichten wie eine Beziehung auszusehen hat, mögen antiquiert wirken in der heutigen schnelllebigen Zeit.

Er versuchte wieder sich rauszureden und fing dann an zu kämpfen. Wollte mich unbedingt sehen. Meinte, er hätte mich eh noch gefragt, wann wir uns sehen. Ich habe ihm nicht mehr geglaubt. Und nein, das tut mir auch nicht leid. Ich habe ihn gefragt, warum er immer dann erst anfängt zu kämpfen, wenn ich ihm die Pistole auf die Brust setze. Ist ja nicht so, dass ich ihn mit einer geballten Ladung Frust überhäufe und dann verstimmt abzieh. Ich habe ihn immer wieder darauf hingewiesen, dass mir das so nicht gefällt.

Es fällt mir nicht leicht, denn dieser Mensch hat Spuren in meinem Herzen hinterlassen. Er ist mir wichtig. Ich mag ihn sehr, die Schmetterlinge hat er getötet.

Daher auch die Entscheidung bzw. der Versuch Freunde zu bleiben. Einfach Kumpels, die mal was miteinander unternehmen. Beste männliche Freundin sozusagen. Wäre schon schön. Er ist einverstanden. Ich habe ihn allerdings gebeten nicht zu versuchen, mich wieder umzustimmen.

Ich bin eine Frau, ich bin kompliziert. Viele – gerade Männer – werden sich fragen “warum hat sie ihm nicht deutlich gesagt, dass sie ihn sehen will!” – ganz einfach. Weil ich das vorher schon immer gemacht habe. Und nichts passierte. Und dann habe ich aufgehört. Aufgehört an ihn hinzujammern. Wollte wissen, ob er von sich aus kommt.

Als wir uns vor einigen Tagen wieder Knutschsmileys hin und her schickten, schrieb ich, dass das in echt jetzt sehr schön wär und eigentlich viel zu selten vorkommt. Seine Antwort “stimmt”. Meine Reaktion “und nun?”… Ich weiß nicht, was ich genau erwartet habe, aber ganz sicher nicht “was denn?”. Manche Männer unter euch wissen, dass ein “schon ok” einer Frau eigentlich euer Untergang ist.

In dem Sinne war es seiner. Schon wieder. Zweite Chance nicht genutzt. Sind meine Erwartungen zu hoch? Habe ich versagt? Versagt meine Erwartungen zu zügeln und diesen Menschen so zu lassen, wie er ist? Ich bin unsicher.

Die kleine Powerfrau braucht keinen direkten Gegenpol. Eher jemanden, der Ruhe und Energie verbinden kann. Der mit meiner Energie mithalten kann, mich unter Dauerstrom stehendes Persönchen aber auch mal kurzschließt für eine Pause. Ich will keinen Bodenständigen, der aussieht wie der Bürgermeister eines bayerischen 300-Seelen-Dorfs. Keinen, der sich nicht einmal richtig zusammenreißen kann, für diejenige, die nach seiner Aussage wichtig für ihn ist.

Naja.

Ich suche nicht, ich lasse mich finden… Scheiß-Spruch. Nee, ich suche nicht und ich melde mich nicht mehr in Freundeportalen an. Denn da ist Frau nur Mittel zur kurzweiligen Befriedigung. Nicht mit mir, Freundchen.

Der Drache schließt wieder seinen Schutzpanzer.

Ich oder er… Dieses Mal eindeutig ich.

Der Job – ein Aphrodisiakum

Veröffentlicht in Uncategorized am April 17, 2013 von dragontear1976

Ich hatte noch nie so viel Erfolg, noch nie so viel Anerkennung, noch nie “so viel Neid”. Im Job. In anderen Lebensbereichen kenne ich Erfolg, Anerkennung auch nicht. Neid schon. Aber bleiben wir beim Job.

Wir erinnern uns. Juni 2011. Krank, Mann weg, Kündigung aufm Tisch. 10 Jahre hatte ich mit ihm zusammen gearbeitet. Auch wenn er sich  an meinem Jubiläumstag (01.04.2011) den Sekt und das Petit Fours schmecken ließ, sprach er mir zwei Jahre Zusammenarbeit wegen Elternzeit ab. Ich stand im ungekündigten Verhältnis, aber für ihn war das klare Sache. Bloß nicht zugeben, dass man das Jubiläum seiner Mitarbeiterin übersehen hatte. Dabei erwartete ich eigentlich nichts. Jedenfalls nichts Materielles. Ich war enttäuscht, das hatte ich nicht kommen sehen. Nicht viel später war diese Ära dann sowieso gegessen. Worüber ich eigentlich froh war, weil ich mich ja schon lange nicht mehr wohl fühlte.

Eine schwierige Zeit begann. Lauter Neuanfänge. Unbekanntes Land. Und ich wollte nie wieder ins Büro. Wollte nie wieder bei Anwälten arbeiten. Wollte nie wieder Rechtsanwaltsfachangestellte sein.

Wie böse ein schlechter Umgang sein kann, dass man dafür sogar Ausbildung und Existenz aufgeben will. Ich hatte knapp ein Jahr gebraucht, um mich überhaupt wieder in Bürojobs zu bewerben. Teilzeit war ja eh nicht möglich. Aufgrund der vielen Absagen war diese Bewerbung bei diesen Anwälten eigentlich nur ein Notversuch. Wenn die mich auch nicht sehen wollten, müsste ich an meiner Bewerbungsart grundlegend etwas ändern. Oder Kurse besuchen.

Aber sie nahmen mich. Am 20.4. ist das ein Jahr her. Schon wieder ein Jahr. Die Zeit verrennt wirklich.

Und es ist viel passiert.

Ich kannte mich in dem Metier eigentlich gar nicht aus. Mit rechtlichen Dingen schon, aber die  Bearbeitung der Insolvenztabelle ist ein Themengebiet für sich.

Ich lernte viele Leute kennen. Nette, komische, idiotische, eigentlich alles dabei. Aber bislang noch niemand, der einen mobbt, oder tuschelt, oder einem schräg kommt. Eigentlich alles recht herzliche Menschen. Klar, Lästereien kommen vor. Aber auch das ist normal.

Ich habe viel gelernt in diesem Jahr. Ich habe Chefs kennen gelernt, denen es wichtig ist, dass man gefördert wird. Die auch viel fordern, aber auch hinter einem stehen. Die das Potential eines Mitarbeiters erkennen. Die Loben und Anerkennung zeigen.

Ich werde mittlerweile von vielen Chefs häufig für meine Tätigkeiten gelobt. Und das betrifft eigentlich nur nachrangig mein Hauptarbeitsgebiet, die Insolvenztabelle. Gelobt werde ich für meine Zusatzarbeiten. Fragen stellen zum Beispiel. Hier kam auf eine wichtige Frage die Rückmeldung eines Insolvenzverwalters und darunter “ich bin jedenfalls von Ihrer Frage begeistert”. Finde ich faszinierend sowas.

Die Nachfolgersuche blieb weitestgehend auch mir überlassen. Von der Vorauswahl, Beisitzung in den Vorstellungsgesprächen, Vereinbarung Probearbeitstage, Tätigkeit erklären, etc. Dann war noch ein schriftliches Fazit über die Bewerber gewünscht. Habe ich auch erledigt. Wurde für die Zusammenstellung und meinen Ausdruck gelobt. Das macht mich mittlerweile wirklich verlegen. Liegt vielleicht daran, dass ich immer so schreibe und wenn ich Aufgaben bekomme, die so gut wie möglich zu 100% erledige und aus perfektionistischen Gründen immer noch ein i-Tüpfelchen oben drauf setze. Ohne groß drüber nachzudenken. Ohne mich anbiedern zu wollen. Ich mache es einfach.

Das Resultat: Ich bekomme die Bewerber, die ich mir gewünscht hatte. Zu der zeitlichen Einstellung, die ich am besten finde. In der Reihenfolge, die ich für am besten erachte. Es wurde auf die Platzsituation eingegangen etc. Eigentlich so wie ich mir das vorstellte.

Das teure Seminar wurde mir auch bezahlt. Ich habe die Abschlussprüfung übrigens bestanden und kann mich nun “Zertifizierte Sachbearbeiterin für Insolvenztabelle” nennen.

Angst habe ich vor Fehlern und bei Fehlern. Habe aber gelernt, dass es immer am besten ist, wenn man wegen eines Fehlers zum Chef muss, dass man dann auch gleich die Lösung oder eine Lösungsmöglichkeit mitbringt. So geschehen gestern. War ein nicht unerheblicher Fehler. Ist mir einen Tag vor dem offiziellen Prüfungstermin vor Gericht noch aufgefallen. Konnte gleich mit dem Rechtspfleger telefonieren und habe mit dem ausgemacht, wie wir das behandeln könnten.

Habe dann ein Schreiben verfasst, in dem ich diesen Fehler dem Gericht nochmals erklärt habe etc. Und mit diesem Schreiben bin ich dann zum BigBoss. “Herr *** ich habe einen Fehler gemacht.” und gab ihm den Brief. Er las ihn sich durch, unterschrieb und gab ihn mir zurück.

Kein Warum. Kein das darf nicht passieren.

Erleichtert und erstaunt bin ich zurück in mein Büro. Es geht also doch anders. Es gibt also Firmen bzw. Chefs, die ihre Mitarbeiter nicht nur triezen. Oder als Fußvolk behandeln.

Ich habe einen guten Job. Einen, der mir Spaß macht. Der mir was gibt. Der mich zwar auch unheimlich stresst und mich an meine Grenzen bringt, aber ich hatte noch keinen Tag, an dem ich den Gedanken hatte “ich will da nicht hin”. Noch nicht einmal “ich habe keinen Bock”. Ich bin morgens müde und komm kaum aus dem Bett. Es ist zwar meine Pflicht zur Arbeit zu erscheinen, aber es fühlt sich nicht als Verpflichtung an, sondern als gute dauerhafte Erfahrung.

Und man kann in der Tat süchtig nach Anerkennung werden. Die Befürchtung, die Leistung irgendwann nicht mehr toppen zu können, ist vorhanden. Vielleicht schaffe ich es aber mal, nicht immer weit nach vorn zu denken, sondern diese Dinge einfach mal zu genießen.

Ich will…

Veröffentlicht in Uncategorized am April 3, 2013 von dragontear1976

… wieder Sport machen.
… wieder Liköre selbst herstellen.
…  mich auf saisonale Feste freuen und danach dekorieren.
… mich auf Geburtstage freuen.
… im Sommer auf der Terrasse sitzen.
… grillen.
… barfuss durch das Gras im eigenen Garten laufen.
… meinem Kind auf seiner Schaukel zusehen.
… das Meeri in den Garten setzen.
… Kräuter und Nutzpflanzen ziehen.
… das Plantschbecken aufstellen und mit meiner Tochter durchtoben.
… meiner Tochter beim Spielen mit anderen zusehen können.
… an lauen Sommerabenden vor der Tür  sitzen und mit meinem Mann reden.
… mich über die brütende Hitze in der Dachwohnung aufregen.
… mich in meiner 20qm Küche frei bewegen können.
… in meiner kleinen Ecke im Keller meiner Malerei nachgehen.
… meiner Tochter bei den Hausaufgaben am Tage helfen.

Dass ich das nicht mehr habe, dafür könnte  ich einer Person die Ohren abreißen, wüten, schreien, weinen.

Was ich dafür in Kauf nehmen müsste:

- Depressionen
- Streitereien
- Angst
- Stress
- Beobachtet werden
- Unterschätzt werden
- Bevormundet werden
- Sich immer rechtfertigen müssen

Was  noch fehlt:

- In die Arme genommen werden
- Gespräche
- Die Erleichterung in den Augen meiner Tochter
- Spaziergänge in der Natur nur 5 Meter vom Haus entfernt
uvm.

Das Leben, was mich stellenweise kaputt machte, fehlt mir. Der Mann, der mein Leben war, fehlt mir. Das freie Lachen meiner Tochter fehlt mir. Wann habe ich das letzte mal gelacht?

Ich habe einen Freund. Den ich kaum sehe, der kaum da ist, mit dem ich kaum reden kann.

Ich bin immer noch allein.

Gerade heute. Warum gerade heute.

Ich will… nicht mehr.

Zweite Chance

Veröffentlicht in Uncategorized am April 1, 2013 von dragontear1976

Ich gebe eigentlich jedem, der mich enttäuscht hat, eine zweite Chance. Jeder kann mal einen Fehler machen. Und jeder sollte bereit sein zu verzeihen.

Wenn das aber einseitig geschieht, ist es ermüdend. Kraftraubend. Ein Stressfaktor.

Ich war enttäuscht. Passiert. Jedenfalls dann, wenn unterschiedliche Erwartungshaltungen aufeinander prallen. Ich habe gelernt, dass es besser ist, zu reden, statt es totzuschweigen. Am eigenen praktischen Beispiel. Denn, wenn man etwas nicht sagt, belastet es nur eine Person und zwar diejenige mehr, die darüber nachdenkt, als die, die es betrifft. Das zu lernen, war nicht einfach, es dann auch anzuwenden, erst Recht nicht. Aber ich tue es. Eigentlich mit wachsendem Erfolg. Nicht nur, dass ich Rede ist der Erfolg, sondern auch die daraus folgenden Resultate.

Beim ersten Mal hatte ich etwas angesprochen, das mich irriterte. Man versprach Besserung. Kurz danach irritierten mich diverse Vorfälle noch viel mehr. Ich konnte mir vieles nicht erklären, assoziierte die Geschehnisse für mich. Und zog ohne weiteres Reden einen Entschluss durch. War hart, aber für mich vorrangig die bessere Wahl. So dachte ich.

Alles, was ich angesprochen hatte, versuchte er zu ändern. Alles an einem Wochenende. Die Zeitspanne? Von Rücknahme der Trennung bis jetzt ganze drei Wochen. Miteinander verbrachte Zeit: einmal 26 Stunden, einmal 5 Stunden, und eine halbe Stunde. Er hat nicht viele Gründe. Eigentlich nur einen. Den kann ich aufgrund eigener Anwesenheit sogar bestätigen. Aber… glaube ich ihm wirklich?

Ich schrieb ihm eine lange Nachricht. Schrieb mir wiederum alles von der Seele. Hatte ich ihm beim ersten Mal ja schon versprochen. 

Der nächste Morgen: Eine Nachricht von ihm. “Guten Morgen”. Wow… Was eine Sprachgewandtheit. Sorry. Ist ja noch früh. Ein bißchen Hin- und Hergeplänkel. Wie krank ich bin, was ich tun kann, wann T abgeholt wird und so weiter. Keine Reaktion auf meine lange Mitteilung. Gar keine. Später schrieb ich ihm, dass ich gerade vor mich hin heule, weil T nun eine Woche weg ist – ja ich bin angeschlagen, da bin ich eben rührseliger. Und was passiert… nichts. Keine Antwort. Seit vier Stunden keine Reaktion.

Ich weiß ja nicht, aber ich hatte gehofft, er kommt vorbei trotz das ich krank bin. Kümmert sich etwas. Nimmt mich einfach in den Arm. Möchte trotzdem bei mir sein.

Meine Einstellung jedem neuen Menschen eine neue Chance zu geben und jedem bereits in meinem Leben vorkommenden Menschen auch eine zweite Chance zu gewähren, verblasst langsam.

So viele tolle Menschen ich auch kennen lerne, so viele Idioten sind auch darunter. In jedem Chat, jeder Community, in der ich mich bisher befand, gibt es immer welche, die nur das eine wollen. Dich auf welche Weise auch immer ausnutzen. Nichts anderes.

Aber ich bin keine Ware.

Also, noch etwas warten, dann Entscheidung treffen und durchziehen.

Oldschool

Veröffentlicht in Uncategorized am März 30, 2013 von dragontear1976

Ich frage mich oft, ob man nicht blauäugiger durch die Welt gehen sollte. Nicht alles hinterfragen, einfach alles hinnehmen.

Ob das einfacher wäre? Würde es weniger weh tun?

Allerdings bin ich kein Mensch, der das ausprobieren will. Ich weiß, dass ich kompliziert bin, dass es nicht leicht ist, mit mir umzugehen. So nach und nach sind Dinge über mich ins Licht gerückt worden. Warum ich bin wie ich bin. Und ich brauche es, Dinge oder was auch immer, benennen zu können. Es gibt mir Sicherheit. Alles, was ich nicht planen kann, bringt mich sehr durcheinander.

Natürlich zeige ich das nicht. In der heutigen Welt, wäre das mein Todesurteil. Schwäche zeigen ist absolut out. Man kämpft lieber so lange, bis man umfällt. Wenn man dann gleich wieder aufsteht, ist man ein Held. Wenn nicht, ist man eben nicht belastbar.

Wenn einem die eigene Psyche schon Schwierigkeiten bereitet – Zwangsgedanken, Depressionen, Angstzustände, Hypersensibilität – klingt, auf Wikipedia nachgelesen, schlimmer als es für mich ist. Was daran liegt, dass ich einen Weg gefunden habe, damit umzugehen. Ich bin einfach jeden Tag bewaffnet und wenn jemand in meine Nähe kommt, ist er erstmal potentieller Feind. Einfach? Geht anders. Aber ich komm klar.

Ich habe vor einer Person aber meine Waffen gesenkt, habe mich bloß gestellt,  mein Innerstes geteilt. Alles ehrlich erzählt. Erklärt wie ich denke, wie ich fühle.

Dieser Person gab ich eine zweite Chance. Warum auch nicht. Ich hab ihn ja gern. Alles was ich vorbrachte, wurde abgehandelt. Sogar an ein und demselben Wochenende. Dann Wochenende mit T. Dann Wochenende bei ihm. Es wurde Schritt für Schritt wieder alles weniger.

Und nun das Osterwochenende. Vier Tage am Stück frei. Ich habe jeden Tag irgendwas um die Ohren, was mir aber nichts ausmacht, ihn mit einzuplanen. Ich erzählte ihm von der Planung. Wenn er T aus dem Weg hätte gehen wollen, ich war gestern ohne sie und werde ab Montag ohne sie sein. Sie darf mit meinen Eltern in den Urlaub.

Ich fragte ihn, ob er herkommen will. Und das Gewohnheitsmonster zeigt sein hässliches Gesicht. Er ist von der Woche müde und hat Karfreitag so gut wie verschlafen. Und er ist froh, wenn er an diesem Wochenende nirgends hinfahren muss.

Ich überlege, ob ich an dem Wort “Beziehung” etwas falsch verstanden habe. Oder daran, dass man mit dem Menschen, für den man sich entschieden hat, gerne ständig zusammen sein will. Zu gerne würde ich jetzt meinen NochGatten fragen, wie er die Anfangszeit mit seiner neuen Freundin empfunden hat. Wie es für ihn war, als er sie stolz unseren Freunden präsentierte.

Ich kenne die Freunde meines Freundes nicht. Er macht auch keine Anstalten dies zu ändern. Wenn wir in der Stadt unterwegs sind, kommt es mir so vor, als wäre er dauernd auf der Hut, wir könnten jemandem über den Weg laufen, den er kennt. Meine Freunde möchten ihn kennen lernen. Er findet das seltsam.

Bin ich so kompliziert, dass es nervt, wenn ich in der Nähe bin? Ich will weder Daueraufmerksamkeit, noch Dauersex, noch Dauergespräche. Aber nur auf dem Sofa sitzen und TV glotzen… dann mal was essen… bißchen kuscheln… Bin ich ne Katze oder was???

Das kommende Wochenende ist von meiner Warte auch unsicher. Ich bin eingeladen, T ist vermutlich da – oder auch nicht – und ja, ich bin zickig. Ich würde die Zeit mit ihm so gern genießen. Aber er braucht ständig Ruhe. Dabei hätte er alle zwei Wochen ein Wochenende ganz für sich. Schließlich arbeitet er freitags nicht. Ich schon. Und ich hab mein Töchterchen um mich herum. Also entweder bin ich mit meinem Kind und mir beschäftigt, oder mit ihm und mir.

Erwartungshaltung doch zu hoch? Ich habe mir gewünscht, er würde auch nicht aufhören zu flirten, wenn wir zusammen sind. Hat er aber doch. Es kommen keine lieben Worte mehr. Manchmal rührt er sich Stunden nicht und wiegelt dann ab, er wäre wieder eingeschlafen.

Lebe ich in der falschen Zeit und halte zu sehr an dem Gedanken fest, dass ein Mann sich noch um seine Frau bemüht? Außerplanmäßig mal eine Kleinigkeit mitbringt, sie einfach mal in die Arme nimmt, liebe Worte sagt. Ich tue es doch auch. Und ich weiß, dass es solche Männer gibt. Mein Nachbar ist so einer.

Ich bin ja die Woche über Strohmami. Ich werde also Zeit zum Nachdenken haben. Ich werde ihn fragen, wie er sich das so vorstellt. Ob er das wirklich als Beziehung empfindet, oder wie es weitergehen soll.

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